Natur und Kunst

In den zurückliegenden Zeiten des Lockdowns, der das öffentliche und kulturelle Leben lähmte, haben sich die Lebensgewohnheiten der Menschen verändert. Vieles verlagerte sich in die virtuell-mediale Realität der Zoom-Konferenzen und Video-Calls, der E-Mails und Telefonate. Und Isolation, Anonymität, Einsamkeit sind als ohnehin existierende Prozesse und Phänomene der Moderne nochmals deutlicher geworden, ja, vergrößerten sich.

 

Die Rückzugs- und Erfahrungsräume von Natur und Kunst wurden durch die Abwesenheit oder Veränderung praktizierten Glaubens gleich welcher Konfession mit Bedeutung aufgeladen; und dabei wurden die Erfahrungswerte und Rezeptionsmechanismen intensiviert, weil Natur oder Kunst in der Regel nur allein aufgenommen werden konnten. Und die Kunstrezeption reduzierte sich auf Lektüre oder andere Medien, waren doch Museen, Konzertsäle und Theater auch als Räume sozialer Erfahrung verschlossen. Die Bedeutung nun der Naturwirklichkeit und der der nachgeahmten Wirklichkeit von Kunst hat sich dadurch gewandelt –: Manches wird durch Mangel oder Abwesenheit bewusst, vieles erfährt neue Qualität.

 

Die ersten Premieren der neuen Spielzeit nun fächern dieses Themenspektrum in allen Sparten und Genres auf: In der Oper untersuchen wir in Puccinis La Bohème Künstlertum als Lebensgefühl und Selbstbetrug, die beide durch die Erfahrung des Todes desillusioniert werden. Wenn nicht der Tod, so greift doch statt seiner die ästhetisch-soziale Ächtung in der Erstaufführung von Thomas Melles Theaterstück Ode in das Künstlerleben ein.

 

Die Uraufführung von Lachesis berichtet von der immer mehr durchlässigen und fließenden Grenze zwischen Natur und Kunst, der Virtualität und Kybernetik, wobei anknüpfend an die griechische Philosophie eine science fiction erzählt wird. – Und die Flucht in Fantasiewelten wie bei Jenny Hübner greift ein oder in Die Zertrennlichen hat im und durch den Lockdown an Dringlichkeit gewonnen, ebenso wie die Reflexion auf Versehrtheit und Vergänglichkeit in Mongos. Im Musical Wie im Himmel wiederum wird die Erfahrung der Kunst als (Selbst)Therapie zu einem Befreiungsprozess. Und im Tanz wird die Verwandlung Cinderellas als ein Grundthema menschlichen Lebens in die Emanzipation einer fiktiven Künstlerbiografie überführt. So wie die Biografie ist auch die Historiografie „Geschichte“ mithin Fiktion, als Ablagerung von Lebenswelten nacherzählt durchaus künstlich: Sie bildet gewissermaßen eine Schnittmenge von Natur und Kunst; das jedenfalls mag man durch deren Mythologisierung bei Schwejk komisch und in Nibelungen tragisch erkennen.

 

Insofern berühren und verschmelzen Natur und Kunst zu einem assoziativen Bedeutungsgeflecht, in dem wir eben so die Erfahrungen der zurückliegenden anderthalb Jahre versuchen in unsere künstlerische Arbeit der neuen Spielzeit zu übersetzen.

 

Hermann Schneider
Intendant

 

 

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